Trauerrede
Mit der Trauerrede leihe ich gewissermaßen Ihren Erzählungen meine Stimme. Gleichzeitig bin ich keine bloße Wiederholerin. Ich bündele, darauf bedacht, den Kern zu erfassen und gehe über ein Benennen hinaus. "Lebendig aus dem Leben erzählen“ bedeutet für mich ein Verlebendigen einer geteilten Vergangenheit und ein Verbinden im Moment. Mit Liebe und einem Lächeln.
Ist eine Trauerrede auch eine Trostrede?
Ich glaube keine Frage ist für mich so schwierig zu beantworten wie diese. „Ich kann nicht trösten, aber ich weiß, dass es Trost geben kann“, hat Navid Kermani in einer Trauerrede einmal gesagt. Ich empfinde es ähnlich. „Ähnlich“, weil ich merke, dass (meine) Worte durchaus Trost stiften können. Mein eigentliches Ansinnen ist es aber nicht. Für mich ist Trost eher verbunden mit einer Umarmung oder einer warmen Suppe vor der Tür.
Ich verstehe mich weniger als Tröstende, denn als Segelsetzerin. Mir gefällt das Sprichwort „Man kann den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“. Mit meiner Rede setze ich die Segel so, dass sich der Blick noch einmal voll und ganz auf das Leben, das Licht und die Liebe richten kann – auf das, was gewesen und gewachsen ist. Und weiterwachsen darf.

